Brazil, where hearts were entertaining June

Jahres Ausstellung. HfBK Dresden. 2019

Brazil, where hearts were entertaining June

 

Brazil ist ein Ort, der unsere Sehnsüchte und unser Verlangen nach Unbeschwertheit vereint. Es ist ein Ort, den wir uns nur vorstellen können, da wir ihn nie besucht haben. 

Das Bild, das vor dem inneren Auge entsteht, sobald man an diesen Ort denkt, ist ein abstraktes Bild, das sich aus Vorurteilen und Postkartenmotiven und der eigenen Hoffnung speist.

Ein Tagtraum, an dem das Magische als das Wahrscheinliche gilt. Ein Fluchtpunkt, eine Illusion, die mehr Wahrheiten über uns, als über den realen Ort in sich trägt. Gibt man diesem Trugbild nach, so entsteht ein autonomer Raum, dem keine Grenzen gesetzt sind. Diesen zu erforschen und auszuformulieren ist ein Teil unserer Arbeit.

Die Installation wird durch eine persönliche Komponente aus Esperanzas Kindheitserinnerung in Chile ergänzt. Ein Land in dem die Gesellschaft gespalten und ein starkes Milieubewusstsein vorhanden ist. So wurde und wird in Teilen bis heute ein Gesellschaftsmodell konserviert, das wir in der westlichen Welt glauben, mit der 68er Bewegung hinter uns gelassen zu haben. Die nicht aufgearbeitete Diktatur Pinochets (1973-89) und eine von der Militärdiktatur traumatisiert Generation führten dazu, dass politische Diskussion im öffentlichen Raum vermieden wurde. Die derzeitigen Proteste, deren Ziel es unter anderem ist, die noch aus der Diktatur stammende Verfassung neu zu schreiben, sind ein Ausdruck davon.

Eine Seite der Installation beschäftigt sich subtil mit diesem Konflikt, indem die eigenen vier Wände  zum Rückzugsort werden, indem Politisches nicht diskutiert wird und der Kitsch einer geschlossenen Welt zu Tage kommt. 

 

Die Anspielung auf den Titelsong des Films Brazil (1985) von Terry Gilliam ist bewusst gewählt. In dem Film ist der Protagonist Sam Lowry in einer Dystopischen Welt gefangen, in der Traum und Realität ineinander übergehen. Sam ist Mitarbeiter des mächtigen Informationsministeriums. Beim Versuch, die verfolgte Jill zu retten, die er zunächst in seinen Träumen und dann in der Realität trifft,  wird er verhaftet und gefoltert. Er schafft es jedoch, mit Jill in eine idyllische Landschaft zu fliehen. Hierbei spielt der Titelsong Brazil, eine tragende Rolle, der einen romantischen Sommernachtstraum beschreibt. Diese Flucht stellt sich als Trugbild raus, da Sam bei der Folter verrückt wird und das Idyll nur eine weitere Traumillusion ist. 

 

Durch die collagierten Bildebenen lässt die Konstruktion der Installation nicht in jedem Fall eine klare Verortung der Situation in den Innen- oder Außenraum zu. Dies findet sich in der Erzählweise von Terry Gilliam wieder, in der Fiktion und Wirklichkeit ineinander übergehen.