Unter dem Schatten der wilden Sukkulente

Galería Aquí. Santiago, Chile. 2018

Unter dem Schatten der wilden Sukkulente

Ausstellungstext

(Übersetzt aus dem Spanischen)

 

“Weit hinter dem Gehör existiert ein Geräusch, am Ende der Vision ein Aspekt,
an der Spitze des Stiftes der Strich, und wo ein Gedanke eingehaucht wird, gibt es eine Idee: Dort gehe ich hin.”
Clarice Inspector


Wenn sich Kitsch auf eine Täuschung reduzieren ließe, dergestalt, dass eine Sache vorgibt eine andere zu sein, wäre diese Ausstellung extrem kitschig. Hier werden nicht nur Tapeten mit Zitronen, wilde Sukkulenten, Möbel und Fenster nachgeahmt, sondern man geht noch ein gutes Stück weiter: Es wird gar die Wirkung von Licht imitiert, welches nicht einmal sichtbar ist, solang es auf keinen anderen Gegenstand trifft.

Wir wissen, dass alles was wir sehen, nicht so existiert, wie wir es sehen. Es ist offensichtlich, dass Materie existiert, aber sie selbst hat an sich keine Bedeutung. Tisch, Fenster, Zitronen, wilde Sukkulente.

Wenn die Wirkung des ersten Anschauens verblasst, erkennen wir, dass das Erste was verschwindet, jene Ideen sind, welche Objekte imaginieren. Nach einer kurzen Betrachtung rücken andere Qualitäten in das Blickfeld: Farbe, Form und das Licht, welches erhellt und dieses Objekt plötzlich in eine neue Form verwandelt.

Diese Ausstellung befasst sich mit demselben Phänomen. Das Licht friert die Szene ein, lässt jedes Objekt seinen Schatten und seine Farbe werfen und in benachbarten Gegenständen reflektieren. Die Elemente scheinen ihre eigenen Grenzen zu überschreiten und hören auf isoliert zu sein, um Teil einer Gesamtatmosphäre zu werden. Sie entwickeln ein Zugehörigkeitsgefühl füreinander, wie in einem Pakt. Sie wollen sich nicht trennen. So wie der Gedanke eingehaucht wird, entsteht eine Idee, und die Gegenstände beginnen sie selbst zu sein, sobald sie projiziert werden.

Der Kitsch hat mit Ironie zu tun. Aus der Ferne lacht er sich und was er darstellt aus. Neben der gegenwärtigen Stimmung möchte die Ausstellung jedoch keine bestimmte Botschaft kommunizieren, sondern ganz im Gegenteil einen Ort vorschlagen, der belebt werden kann und nebenher eine andere Art zulässt, uns zu Raum und Objekt in Beziehung zu setzen.

Ileana Elordi